Im Herbst 2010 lebe ich im Rahmen eines Stipendiums für drei Monate in der Hauptstadt der Bourgogne, in Dijon. Das Stadtzentrum ist vielfältig und beeindruckend: belebte historische Gassen mit unzähligen kleinen Geschäften und Cafés, romanische und gotische Kirchen, Patrizierhäuser mit stillen Innenhöfen und Gärten, Architektur der Renaissance und des Klassizismus - gebaute Kunstgeschichte, wohin man auch sieht.
Ich suche Mauern und Wände, die von Wildem Wein oder Efeu berankt sind. Um Tonaufnahmen zu machen, platziere ich mein Mikrofon in Fenster- und Mauernischen oder hänge es zwischen die Blätter, die der Wind über den Stein kratzen und schaben lässt.
Urbane Geräusche und akustische Charakteristika Dijons rücken aus dieser Perspektive in den Hintergrund, ebenso visuelle Eindrücke, Baustile und Epochen.
Die Tonaufnahmen repräsentieren nichts Ortstypisches, sondern erscheinen mir wie einzelne Pixel, die durch Heranzoomen aus ihrem Kontext gelöst werden und keine Rückschlüsse mehr auf ihren Ursprung zulassen.
Diese Aufnahmen vom Kratzen des Wilden Weins und der Efeublätter werden in der elektroakustischen Komposition auf eine Art verarbeitet, die die Rhythmen dieser kleinen, feinen Geräusche verhärtet und stark betont, so dass sie synthetisch wirken und sich von Wind- und Umgebungsgeräuschen deutlich distanzieren.


Ausstellung | Exhibition: intra muros, Einheit Eins, Saarbrücken, 2011









© Denise Ritter