Mit seinen rebenbesetzten Hängen und den auf Felsvorsprüngen aufgereihten Burgen gilt der Mittelrhein als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft. Doch genau genommen ist die Rheinromantik eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Durch die sagenhaften Beschreibungen von Künstlern und Literaten wurde das Obere Mittelrheintal zum touristischen Muss.
Ebenfalls im 19. Jahrhundert führte der badische Ingenieur Johann Gottfried Tulla die Begradigung und Schiffbarmachung des Oberrheins bei Karlsruhe durch, um den Anforderungen der Industrialisierung gerecht zu werden.
Was also ist der Rhein?
Der Mensch formt den Rhein einfach zum Schifffahrtskanal um und erhebt ihn dort, wo geologische Bedingungen die Begradigung unmöglich machen, kurzerhand zur mythengetränkten Touristenattraktion. 
Diese Absurdität reflektiert die Klanginstallation „Mäander“, die einerseits kartografisch den Verlauf der großen Rheinschleife bei Boppard nachzeichnet, andererseits mit den Klängen von mechanischen Schleifgeräuschen diese visuelle Harmonie durchbricht und daran erinnert, dass die gesamte ursprüngliche Flusslandschaft mit ihren weit ausgreifenden Mäandern durch jahrtausendelanges Erodieren und Abschleifen des Untergrundes entstanden ist und ihr eine ganz eigene Rhythmik und Dynamik innewohnt, welche heute durch die nahezu komplette Kanalisierung und Bebauung der Ufer verschwunden sind.


Ausstellung | Exhibition: Luminale, Kunstverein Mittelrhein km570, Villa Belgrano, Boppard, 2008




© Denise Ritter