Die Ausstellung „gestern die Stadt von morgen“ bezieht sich auf die Stadtplanung und die Architektur der 1960er und 1970er Jahre in Bochum, Marl und Mülheim an der Ruhr.
Zeitlose Melancholie, Bedrückung und Einsamkeit: alle drei städtebaulichen Situationen scheinen zwischen Gestern und Morgen, zwischen Utopie und Dystopie festzustecken. Dies kann man besonders intensiv außerhalb der Arbeits- und Geschäftsöffnungszeiten (engl. „off-time“) wahrnehmen.

Die physiologische „off-time“ des Menschen, bestimmt durch seine innere Uhr, ist die Zeitspanne zwischen drei und fünf Uhr in der Nacht, die man auch die „Stunde des Wolfes“ nennt. 

In diesen nächtlichen Stunden habe ich an allen drei Orten von den Dächern sehr hoher Gebäude aus Audio-Aufnahmen der urbanen Umgebung gemacht, die die Grundlage für eine mehrkanalige elektroakustische Komposition bilden. 

Das verfallene Stadtbad in Marl ist Zeugnis eines gescheiterten Freizeitentwurfs der industrialisierten Gesellschaft und spiegelt nicht nur die besonderen städtischen Atmosphären der drei Orte wider, sondern außerdem die weiteren Bedeutungsebenen des englischen Begriffes „off-time“, nämlich „tote Hose“ und „außerhalb der Saison“.

Die Klanginstallation ist mit versteckten Klangquellen in die Wasserrutsche integriert und kann im Außenbereich beim Vorbeigehen oder Verweilen in unmittelbarer Nähe erlebt werden.


Ausstellung | Exhibition: gestern die Stadt von morgen, Ehemaliges Stadtbad Marl, 2014





© Denise Ritter